Polonaise mit Jesus

Impuls in der Advents- und Weihnachtszeit

Die Adventszeit ist für mich etwas ganz Besonderes. Diese Liebe begleitet mich schon seit meiner Kindheit, selbst als bei uns zu Hause die Weihnachtstraditionen oft wechselten. Mal schmückten wir einen Baum, mal nicht. Die Geschenkepracht variierte – manchmal üppig, manchmal erhielt ich nur ein T-Shirt mit einem Garfield-Aufdruck. Das geschah, als mein Vater arbeitssuchend war und meine Mutter mit einem Gelegenheitsjob das Geld verdienen musste. Statt eines frischen Truthahns gab es nur einen aus der Tiefkühltruhe, klein und geschmacklich wenig beeindruckend.

Dennoch bleibt für mich dieses Weihnachtsfest das schönste, das ich je mit meiner Familie gefeiert habe. Mein Vater hatte viel Zeit für uns Kinder, war zu Hause, und trotz seiner sichtbaren Sorgen herrschte Frieden und Freude zugleich. Es war die pure Weihnachtsfreude, die Vorfreude auf das Christkind. Bis Mitternacht warteten wir, stießen auf die Geburt an, und in meinem Herzen spürte ich, dass sich etwas Neues ereignete – eine Mischung aus eigenem Geburtstagsfest und Silvester.

Wir tanzten Polonaise, lachten viel, und dieser Zauber wurde nie wieder so eingefangen. Mein Vater machte sich selbstständig, verdiente gut, und meine Mutter fand einen großartigen Job, den sie liebte. Wir Kinder durften unsere Geschenke selbst aussuchen. Seitdem warte ich sehnsüchtig Jahr für Jahr darauf, dass dieses besondere Gefühl wiederkehrt. Am Heiligabend möchte ich von Neuem beginnen, wie damals. Ich stelle es mir so vor: Ich tanze Polonaise mit Jesus, feiere seine Geburt und auch mein neues Leben mit ihm, mit seiner Liebe und Zuwendung. Wie ist es bei dir? Worauf sehnst du dich? Worauf wartest du?

deine Pfarrerin

Almendra García de Reuter